Rishi
Jugendstück von Kees Roorda
in der Übersetzung aus dem Niederländischen von Alexandra Schmiedebach
Gefördert von dem Verein „Freunde des Theaters“ e.V.
Rishi, 17 Jahre, indischer Herkunft, liegt tot am Bahnhof von Den Haag. Erschossen von einem Polizisten. Kurz zuvor hatte es einen anonymen Notruf gegeben. Ein Mann sei bedroht worden von einem „jungen Mann mit Schusswaffe, weiße Jacke, dunkle Haut oder so.“ Eine Passantin erinnert sich an den Mann, jedoch nicht an eine Waffe. Der Polizist aber ist sich sicher, „irgendetwas hat er gezogen.“ Viele Stimmen kommen zu Gehör, die Kollegen des Polizisten, die Verwandten von Rishi. Jeder erzählt eine andere Geschichte – und jede beansprucht ihre eigene Wahrheit. Juristen kennen diese Figur: den unzuverlässigen Beobachter. Dieser Beobachter, das sind wir alle. Vorurteile, Unaufmerksamkeit sowie Vermutungen trüben und verzerren unsere Wahrnehmung und lassen die Frage „Was ist Wahrheit?“ immer wieder neu aufbrechen. Basierend auf Zeugenaussagen, Vernehmungsprotokollen und Gerichtsaussagen rekonstruiert das Stück die Ereignisse, die 2012 in den Niederlanden eine breite öffentliche Debatte auslösten. Wechselnd zwischen objektiver Berichterstattung und subjektiven Emotionen erhalten unterschiedliche Perspektiven – von Polizeibeamten über Zeugen bis hin zu Angehörigen – eine Stimme. So entsteht ein vielschichtiges Bild der Ereignisse, das zeigt, wie komplex und brüchig Wahrheit sein kann.