Mythen des Theaters

TOI TOI TOI und anderer Sprech

Warum Theaterleute abergläubisch waren und sind

Viele Aberglauben haben mit der Generalprobe zu tun, der Aufführung, die das Publikum normalerweise nicht erlebt. Die wenigen Anwesenden dürfen auf keinen Fall klatschen und früher wurde auch der letzte Satz des Stückes gar nicht gesprochen, die Vollendung sollte erst bei der Premiere passieren. Die Generalprobe muss mehr oder weniger schieflaufen, Fehler waren willkommen, so wurde die Premiere ein Erfolg.

Auch Puppen nur mit dem Gesicht nach unten auf den Requisitentisch legen, Pfauenfedern mit ihrem Auge fokussieren den bösen Blick auf die Bühne, waren weit verbreitete Mythen in Theaterhäusern, wie nicht zu essen. Denn die Bühne war ein heiliger Raum, dem Kostüm oder Ritual vorbehalten.

 

Engländer nennen es Ghost Light, ein Licht, das nach Proben immer anbleibt, um böse Mächte zu vertreiben und sich vor allem natürlich keiner verletzt. Man darf Macbeth nicht aussprechen, das Stück hat eine kurios unglückliche Tradition: Lady Macbeth gespielt von einem Knaben, verstarb ganz plötzlich vor der Uraufführung.

In Frankreich wünscht man sich Merde. Alle anderen Wünsche sind verpönt oder kommen von Ignoranten. Das Publikum wurde vor den Theatern des 18. Jahrhunderts von Kutschen abgesetzt, und dass die Menge der Pferdeäpfel, die sich so vor der Aufführung bildete, ein Hinweis auf die zahlenmäßige Größe des Publikums sei.

Als in der späten Barockzeit das große Theater der Maschinerien anfing, der Illusionen, der Sofitten, der großen Dekors, die vom Schnürboden herabgefahren wurden, waren die ersten Bühnenarbeiter ehemalige Seeleute. Sie haben eine christliche Tradition vom Meer auf die Bühne gebracht: Corde durfte nicht gesagt werden, denn auf Schiffen wurde kein einziges Tauwerk so genannt, außer das kurze Seilende der Totenglocke.

 

Heute ist der Aberglaube im Theater oft nur noch eine alte Folklore, aber eine, mit der sich das Theater gegen den Einbruch der profanen Alltäglichkeit wehrt. Und eine, die für die Bühne Ritual und Magie beschwört und für die Beteiligten den Zusammenhalt.

Durch dreimalige Anrufung des Teufels kann das Unheil abgewendet werden. Toi, Toi, Toi leite sich von Teufel, Teufel, Teufel ab. Ein schwäbischer Spruch belegt „No kommt mer in’s Teu-, Teu-, Teufelskuchen bey ihm“ (in Teufels Küche kommen). Oder der jiddische Ausruf „Tfu, Tfu, Tfu“, dreimal gespuckt oder auf Holz geklopft, beschützt er.

Unbedingt galt es über die linke Schulter des Gegenübers (trocken)spucken (keimfrei), denn auf ihr sitzt der Teufel, den es zu vertreiben gilt. Rechts trifft man den Schutzengel. So liegt man Herz an Herz und die Premiere wird ein Erfolg. Antworten muss man mit "Hals- und Beinbruch" oder "Wird schon schiefgehen". Wer Danke sagt, läuft nämlich dreimal ums Theatergebäude.

Oder dreimal drehen, dazu Pucks Worte aus "Der Sommernachtstraum" aufsagen: "Wenn wir Schatten euch beleidigt, oh so glaubt – und wohl verteidigt, sind wir dann – und ihr alle schier, habet nur geschlummert hier, und geschaut in Nachtgesichten, eures eignen Hirnes Dichten".

 

Quellen: Deutschlandfunk, Der Theaterverlag

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