Klassenzimmerstück 2021/22

Theater macht Schule

Am Donnerstag, den 3. Februar 2022, wurde das Klassenzimmerstück einmal auf die Foyerbühne gebracht. „Paul*“, von Eva Rottmann, heißt es in dieser Spielzeit und wird jährlich vom Freundeskreis gefördert. Die Freunde des Theaters e.V. und Jugendliche vom Theaterclub Mishki waren eingeladen zu Vorstellung und Diskussion.

Das Klassenzimmerstück bringt Theater in die Schulen und schafft eine neue Sicht auf die Dinge.

Chris will eine Wette gewinnen und muss sich dafür in Frauenkleidern vor einer Schulklasse zeigen – behauptet er zumindest. Insgeheim geht es ihm um etwas Anderes. Er will seiner großen Liebe Paul beweisen, dass er voll und ganz zu ihm steht. Chris hatte ihn geheiratet, als er Paula hieß und als Frau lebte. Doch Paul ist jetzt ein Mann. Er selbst fühlte sich schon immer so. Aber er wurde als Mädchen geboren und immer als Mädchen, als Frau gesehen. Bis vor Kurzem hat er versucht, als Paula in einem Frauenkörper zu leben und sogar zwei Kinder auf die Welt gebracht. Pauls Outing bringt die Welt der Familie ganz schon durcheinander. Chris hat mit seinen eigenen Vorurteilen und den Zuschreibungen von außen zu kämpfen. Im entscheidenden Moment hat er es verbockt, vor anderen zu beweisen, dass er zu Paul steht. Jetzt ist Paul mit ihren gemeinsamen Kindern zu seiner Mutter gezogen. Um seine Familie zu retten, muss sich Chris von seiner traditionellen Vorstellung von Liebe, Identität und sexueller Orientierung lösen.

Die Diskussion war eine spannende, mit Erwachsenen und Jugendlichen, die beide noch nie mit dem Thema in Berührung kamen oder mittendrin und selber dabei sind. Das hat der Nachmittag gezeigt.

Homosexualität wurde vor 30 Jahren noch als psychische Störung eingestuft. Es wurde nicht darüber geredet. Manche Erwachsene meinten, in meinem Umfeld wusste ich das vielleicht gar nicht.

Es geht um die Sprache, die vieles als Problem darstellt und es dann auch zu einem wird. Worte verlieren ihre negative Konnotation, wenn man sensibilisiert und Toleranz im Wandel sieht, auch wenn es schwierig ist, da jeder Grenzen anders zieht und die Auslegung von Worten auch übertreibt. Wie sage ich etwas? Es ist ein Unterschied von Sexualität und Identität.

Jugendliche sind oft konfrontiert mit „du siehst ja völlig schwul aus“. Einer sagte, er habe etwas ganz anderes erwartet. Dass „Paul*“ wie so oft auch bloß stigmatisiert, aber „Paul*“ ist eine Liebesgeschichte. „Paul*“ wird nicht von Paul erzählt oder von Mitläufer Oliver, sondern von Chris, der ihn vermisst. Und es geht um eine Beziehung, wie geht man mit Veränderung um, wenn es doch schon immer so war.

„Paul*“ ist jetzt nur noch im Februar 2022 auf Tour durch die Schulen in der Region. Die nächste Spielzeit 2022/23 hält ein neues wunderbares Klassenzimmerstück bereit.

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